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Mobilitätskonzept Schwabenlandtower

Die StZ fragt:  

Löst neues Parkhaus das Tower-Problem?

Wem es noch nicht aufgefallen ist: das Dogma vom stetig wachsendem Verkehr führt zu ständiger Asphaltierung unserer freien Flächen, ohne dass es Entspannung im Stau- und Parkplatzproblem ergäbe. Diesem Dogma folgend, wurden seit den Dreißigern des 20. Jahrhunderts Städte autogerecht geplant. Die Folgen sind bekannt - trotz ständigen Ausbaus der Autoinfrastruktur erstickt das Verkehrssystem im Stau und Parkplätzen.

Immer mehr Städte in der Welt – Wien, Barcelona, Kopenhagen, New York – sind dazu übergegangen, dem Autoverkehr Platz wegzunehmen und stattdessen effizientere, sicherere und umweltfreundlichere Verkehrsmittel zu stärken. Und es hilft – nach anfänglichen Bedenken und Protesten will fast niemand zurück zu früher. Nur in Deutschland hört man sofort reflexartige Empörung und Vorwürfe eines „ideologischen Krieges gegen das Automobil, dem wir unser aller Wohlstand verdanken“. Jedoch muss man auch hier einsehen, dass die autogerechte Stadt kein Konzept für die Zukunft ist.

Angesichts dessen, dass Wohnhäuser für Jahrzehnte gebaut werden und immer mehr Länder das Aus des privaten (Verbrenner-)Autos verkünden, erscheint uns das Mobilitätskonzept der CG-Gruppe, die die Bauruine des GEWA-Towers in ein Hochhaus mit fast 200 Mietwohnungen  umwandelt, nicht nur mutig, sondern konsequent und notwendig. Konkret: auf jede Wohnung entfällt weniger als ein Stellplatz (genau: 0,8). Damit Mobilität für alle gewährleistet bleibt, werden alternative Verkehrsmittel angeboten: Carsharing, Leihfahrräder und –pedelecs, Bushaltestellen in der Nähe.

Ob das Konzept aufgeht? Vieles hängt von der konkreten Ausführung ab. Aber generell sollte es möglich sein. Es gibt immerhin einen signifikanten Anteil von Haushalten, die kein Auto besitzen. Und zwar umso mehr, je angenehmer und sicherer das zu Fuß gehen und Radfahren ist. In der Nähe des SLT kann man fußläufig einkaufen, zum Fitnesscenter gehen, Kindergarten und Schule in 10 Minuten erreichen. Das macht einen großen Teil der alltäglichen Wege aus.

Würde man stattdessen weitere Flächen versiegeln und zu Parkplätzen umwandeln, würde es niemanden animieren, zwischen den wachsenden Reihen immer größerer Autos zu Fuß zu gehen oder die Kinder allein per Rad in die Schule zu schicken. Das würde automatisch zu mehr Abhängigkeit vom Privatfahrzeug führen.

Es lohnt sich also, auf das „Experiment“ einzulassen. Ein Experiment, das in vielen Städten der Welt erfolgreich war.

Umso mehr dass es kaum eine Alternative gibt. Die Idee eines Towers mit 66 Luxuswohnungen zwischen McDonalds und Schnellstraße musste böse enden. Verwunderlich, warum die Mehrheit des Gemeinderats bei dem abenteuerlichen Finanzierungskonzept der GEWA GmbH beide Augen zugedrückt hat, so dass die Pleite erst offensichtlich wurde, als der Rohbau schon stand und um ihn herum die Wohnhäuser schon bezogen wurden. Nach langer Suche fand sich schließlich ein Investor – die CG Gruppe – der bereit ist, eine dreifach größere Zahl an Mietswohnungen einzurichten, mit der Konsequenz, dass nicht jedem Haushalt ein Stellplatz garantiert werden kann. Die Alternative dazu wäre also eine 107 m hohe Bauruine, sichtbar aus allen benachbarten Kommunen.

Der Verkehr nimmt stetig zu - noch. Aber das ist kein Naturgesetz, sondern eine Folge des stetigen Ausbaus der Straßen. Hier haben wir die Möglichkeit, den Trend ein wenig umzukehren.

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