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Verkehrsberuhigung Bahnhofstraße

Die geplante Umgestaltung der nördlichen Bahnhofstraße ist in gewissem Maße vorteilhaft für alle Verkehrsmittel – Pkw, Busse, Fahrräder und zu Fuß Gehende. Es ist ein Beitrag zu mehr Sicherheit, weniger Lärm, besserer Luft und Aufwertung der Aufenthaltsqualität. Weiter gehende Verbesserungen für eine der Verkehrsarten hätten weitreichende Nachteile für die Anderen zu Folge, deswegen ist die beschlossene Version ein gelungener Kompromiss. Wir erwarten jetzt von der Stadt eine zügige Planung und endgültige Umgestaltung.

Nach einer Testphase von einem Jahr mit Tempo 30 in der nördlichen Bahnhofstraße hat der Gemeinderat im September 2018 mit überwiegender Mehrheit entschieden, die Tempobeschränkung dauerhaft beizubehalten und den Fahrradverkehr StVO-konform auf die Fahrbahn zu verlegen.

Seit der Bürgerbeteiligung STAFFEL25 haben wir uns dafür eingesetzt, die Verkehrssituation in der Innnenstadt zu entspannen und die Bedingungen für Fußgehende und Radfahrende zu berbessern. Mehr Rad und Fuß bedeutet gleichzeitig weniger Autoverkehr. Das kommt nicht nur den Anwohnern und den Geschäften sowie Gastronomie entgegen, sondern ist auch für den verbliebenen Autoverkehr von Vorteil.

Nach vielen Anhörungen und moderierten Diskussionen mit Verkehrsexperten hat sich eine Kompromisslösung herauskristallisiert, die jetzt schließlich von der Stadt umgesetzt wird.

Randbedingungen und Grundannahmen


Zentrale Punkte der jetzt umzusetzenden Lösung 


Bewertung der Änderungen aus Sicht des VCD

Verkehrsberuhigung ist eindeutig als Verbesserung der Aufenthaltsqualität zu werten. Langsamer und gleichmäßiger fließender Verkehr bedeutet weniger Lärm, weniger Luftschadstoffe und mehr Sicherheit.
In der Stadt ist Fußverkehr die wichtigste Fortbewegungsart. Die neue Bahnhofstraße wird daher für zu Fuß Gehende wesentlich angenehmer und sicherer sein. Der langsamere Kfz-Verkehr erleichtert das Überqueren der Fahrbahn, auf dem Gehweg werden sie nicht von Fahrrädern bedrängt.

Für den Kfz-Verkehr ist die neue Situation ebenfalls insgesamt vorteilhaft. Wie ein Fellbacher Fahrlehrer erklärte: man fährt viel entspannter, das Ein- und Abbiegen ist einfacher, die Fahrt ist gleichmäßiger. Die SSB bewerteten die Situation ebenfalls positiv. Die Busse werden keinesfalls ausgebremst, wie vor der Testphase befürchtet wurde. Objektive Messungen ergaben, dass die Zeitverluste des Individualverkehrs durch die Tempobeschränkung sich im Sekundenbereich bewegen.

Etwas komplexer fällt die Bewertung der Änderung für den Radverkehr aus. Viele Menschen fühlen sich auf der Fahrbahn unsicher und nutzen lieber einen Radweg. Was aber dem subjektiven Gefühl widerspricht: die Fahrbahnnutzung ist sicherer als ein zu schmaler Radweg, der an vielen Stellen von Autos gekreuzt werden muss und schlecht einsehbar ist. Das haben zahlreiche Untersuchungen nachgewiesen. Auch die Unfalluntersuchungen während der Testphase in der Bahnhofstraße zeigen in diese Richtung: alle Unfälle mit Fahrradbeteiligung ereigneten sich nicht auf der Fahrbahn, sondern auf dem ehemaligem Radweg. Der Schwerste von ihnen – mit einem Schwerverletzten – kam zu Stande, als ein Radfahrer gegen eine plötzlich geöffnete Beifahrertür fuhr und stürzte.
Die bisherige Lösung – ein schmaler Radweg auf dem Gehweg – war definitiv kein Beitrag zur Sicherheit. Ab- und Einbiegende haben den hinter parkenden Kfz liegenden Radweg oft nicht rechtzeitig erkannt, was zu den typischen Abbiegeunfällen führte. Direkt am oder teils sogar auf dem Radweg parkende Autos engten ihn noch mehr ein, sich plötzlich öffnende Türen waren eine große Gefahr, die Radfahrenden wiederum umfuhren Hindernisse, indem sie auf den Gehweg ausgewichen sind – dies ist zwar nicht erlaubt, aber technisch war etwas anderes nicht möglich – und gefährdeten oder behinderten die schwächsten Verkehrsteilnehmer.
Generell ist für einen sicheren und zügigen Radverkehr am besten, wenn es breite, separierte und selten kreuzende Radwege gibt, ohne Hindernisse, wie Mülltonnen, Falschparker oder Auslagen von Geschäften. Also so wie es in Amsterdam oder Kopenhagen üblich ist. Dafür ist in der Bahnhoftrsße nicht genug Platz vorhanden. Ein ausreichender Radweg wäre nur möglich, wenn mindestens auf einer seite alle Parkstände entfallen würden – das wäre eine Einschränkung des motorisierten Verkehrs, die nicht akzeptiert würde. In der Situation ist die eingeführte Lösung ein Kompromiss, der zwar für Radverkehr nicht das Maximum des Möglichen bietet, aber trotzdem eine deutliche Verbesserung bedeutet – und summa summarum für alle Beteiligten das beste mögliche Ergebnis bietet.
Auf der Fahrbahn fühlen sich viele auf dem Rad unsicher, jedoch werden Radfahrende von Kfz-Lenkern besser wahrgenommen. Das Einhalten eines Sicherheitsabstands von parkenden Autos verhindert sog. Dooring-Unfälle. Für Menschen, die selten mit dem Rad fahren und es gewohnt sind, nur auf Radwegen zu fahren, ist es eine Umstellung und ein Gefühl des Schutzverlustes, jedoch sind Ergebnisse von zahlreichen Studien hierzu eindeutig. Das Wichtigste für den Radverkehr ist jedoch, dass parallell zur Bahnhofstraße Fahrradstraßen eingerichtet wurden. Diese bieten die sicherste und entspannteste Nord-Süd-Verbindung.
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