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Stellungnahme zum VEP

In den Werkstätten STAFFEL25 war der Verkehrsentwicklungsplan einer der größten Brocken. In mehreren Sitzungen mit Bürgerschaft, Experten und Vertretern von Verbänden, Verwaltung und SSB entstand das Fellbach-Szenario – ein Maßnahmenkatalog mit dem Ziel, die Mobilität in Fellbach zu sichern und gleichzeitig die Verkehrsbelastung einzudämmen. Diese  Maßnahmen sehen beispielsweise vor, dass in den 15 Jahren bis 2025 der Anteil des Fahrrads am innerstädtischen Verkehr von derzeit 10 auf 12 Prozent steigt. Weiter reichende Maßnahmen wären planerisch und finanziell umsetzbar, fanden aber keine Mehrheit im Gemeinderat.
Nach langen Debatten einigte sich der Gemeinderat auf den jetzigen moderaten Verkehrsentwicklungsplan (VEP), der 2013 einstimmig beschlossen wurde. Seitdem berichtet die Stadtverwaltung regelmäßig über dessen Umsetzungsstand.
Der Plan enthält zahlreiche Maßnahmen in vielen Bereichen: Straßenbau und -Modernisierung, ÖPNV, Rad- und Fußverkehr, Barrierefreiheit.
Eine ausführliche Dokumentation zum VEP befindet sich auf der Homepage der Stadt.
Der aktuelle Bericht der Verwaltung zum Umsetzungsstand ist dem Gemeinderat im Oktober 2017 vorgestellt worden, s. Vorlage 102-2017.  Ein ausführlicher Artikel über die Diskussion im Gemeinderat ist im Stadtanzeiger vom 8.November veröffentlicht.
In dieser Stellungnahme beschränken wir uns nur auf die Einschätzung des VCD, Ortsgruppe Fellbach und seiner Arbeitsgruppe  Fellbach Mobil und geben die einzelnen Maßnahmen nicht in ihrer Ausführlichkeit wieder.

Straße

U-Turn Die 4-Quadranten-Lösung, Sanierung von Straßen und Bau des U-Turns sind sinnvolle und effektive Maßnahmen, um die individuelle Mobilität zu gewährleisten bei gleichzeitiger Entlastung durch Schwerlast- und Durchgangsverkehr. Verdrängungseffekte von Einzelmaßnahmen zur Verkehrsberuhigung auf Straßen von überregionaler Bedeutung machen eine bessere Abstimmung mit Nachbarkommunen erforderlich.
Die Tempobeschränkung in der nördlichen Bahnhofstraße und der Esslinger Straße bringt weniger Lärm und mehr Sicherheit ohne Einbußen für den Verkehrsfluss. Es ist schade, dass nicht gleich eine richtige Umgestaltung der Einkaufsmeile in Angriff genommen wurde. Das ist aber den Mehrheitsverhältnissen im Gemeinderat geschuldet, nicht einem Ideenmangel. Es wurden verschiedene Konzepte vorgeschlagen, und zwar über Parteigrenzen hinweg, wie z.B. Fußgängerzone oder Shared Space. Wir hoffen auf eine schnelle und mutige Umgestaltung nach der Probephase.

ÖPNV

Die kontinuierliche Umgestaltung von Haltestellen – Bänke, Regenschutz und Echtzeitinformationen – machen den ÖPNV immer attraktiver. Das Fellbach-Ticket ist eine sehr einfache und schnell wirkende Maßnahme zur Verlagerung des innerstädtischen Verkehrs vom Auto auf Busse. Hier wünschen wir uns ein größeres Tempo bei der Ertüchtigung, besonders in puncto Barrierefreiheit. Der ewig kaputte Aufzug im Bahnhof ist für Rollstuhlfahrer ein KO-Kriterium. Ein neuer Steg über die Gleise, wie er im VEP geplant war, mit Anbindung an den Bahnsteig Richtung Stuttgart, wäre nicht nur ein wichtiger Lückenschluss auf der Nord-Süd-Achse für Radverkehr, sondern auch eine große Hilfe für mobilitätseingeschränkte Bahnfahrende.

Fußverkehr

Zugeparkter GehwegFußverkehr ist in der Stadt die wichtigste Verkehrsart. Eine besondere Bedeutung haben Radfahrende und zu Fuß Gehende für den Einzelhandel. Gerade diese Kundengruppen besuchen lieber kleine Geschäfte in der Innenstadt als die großen Shopping Malls, die oft nicht mal eine Bushaltestelle in der Nähe haben.
Trotz punktueller Verbesserungen (Rathaus-Carree, Bahnhofsvorplatz) gibt es noch viel Nachholbedarf. Insbesondere in Wohngebieten sind Gehwege oft zu schmal und zusätzlich durch Falschparker behindert. Der Wunsch einers Einzelnen, sein Auto möglichst nah an der eigenen Haustür zu parken, darf nicht höher gewertet werden als die Möglichkeit, mit Kinderwagen oder Rollstuhl ungehindert vorwärtszukommen - besonders wenn 100 m weiter freie Parkplätze zu finden wären. Es ist auch eine Unsitte, vor Garagen zu parken, auch wenn man ihr Mieter oder Besitzer ist, denn das behindert zu Fuß gehende, Rollstuhlfahrer, Seniorinnen mit Rollator und radelnde Kinder und zwingt sie, auf die Fahrbahn auszuweichen. Hier ist eine bessere Kontrolle vonnöten. Ebenso könnte eine Parkraumbewirtschaftung, z.B. mit Parkausweisen, in manchen Stadtteilen Abhilfe schaffen und auch zum Vorteil der Autofahrer den Parksuchverkehr mindern.
Die Umgestaltung in der Bahnhofstraße mit Abschaffung der viel zu schmalen Radwege ist ein Sicherheitsgewinn, der allerdings nicht offensichtlich ist und nicht bei allen auf Verständnis trifft. Hier gibt es viel Aufklärungsbedarf. Einerseits sind schnelle Radler auf dem engen Gehweg ein Unsicherheitsfaktor für Fußgänger - hier ist nur Schrittgeschwindigkeit erlaubt. Andererseits werden Radfahrende auf der Fahrbahn immer noch gelegentlich - wenn auch nicht mehr so oft wie am Anfang - angehupt oder durch zu knappes, nicht vorschriftsmäßiges Überholen gefährdet. Wir würden uns wünschen, die Gehwege breiter, frei von Verkehrsmitteln jeglicher Art und mit mehr Sitzgelegenheiten zu gestalten. Dazu wäre aber eine gute Parkmöglichkeit in der Nähe der Einkaufsmeile notwendig, um das Parken auf beiden Straßenseiten nicht mehr nötig zu haben.

Radverkehr

Für mittelgroße Entfernungen von wenigen Kilometern ist das Fahrrad ein beinahe perfektes Verkehrsmittel: schnell, sparsam, gesund und umweltfreundlich. Ohne Anspruch, ein Verkehrsmittel für Alle zu sein und alle Probleme zu lösen, kann es jedoch für viel Entlastung sorgen, wenn man nur die Voraussetzungen schafft, es sicher und ohne unnötige Hindernisse nutzen zu können. Viele Menschen würden gerne öfter das Fahrrad nutzen - wenn sie sich im Verkehr sicherer fühlen und weniger behindert würden.
Niedrige Bordsteine laden zum Parken ein Bei minimalen Investitionskosten in Fahrradinfrastruktur erreicht man den größten Nutzen. Und zwar einen Nutzen nicht nur für Radfahrende, sondern - durch die Verkehrsberuhigung - für die Allgemeinheit. Selbst Autofahrer profitieren davon, wenn mehr Menschen aufs Rad umsteigen und weniger Parkplätze in der Stadt belegen. 
Mit 3 Fahrradstraßen (von etwa 400 Straßen, die Fellbach hat), dem Pedelecverleih, neuen Fahrradbügeln und einigen Lückenschlüssen hat Fellbach schon Einiges geleistet, was den Radanteil erfreulich steigert. Die soliden Abstellbügel vor dem Bahnhof und in der Bahnhofstraße sind tagsüber gut gefüllt. Viele der kleinen Läden und Lokale können inzwischen mit dem Fahrrad oder zu Fuß gut erreicht werden.
Niedrige Bordsteine laden zum Parken einEs gibt in Fellbach noch viel Verbesserungspotenzial, wobei es meist um punktuelle Verbesserungen geht und nicht um große Investitionen. Beispielsweise ist der niedrige Bordstein in der neu gestalteten Fellbacher Straße eine Einladung an SUV- und Lastwagenfahrer, teilweise (oder ganz) auf dem Radweg zu parken.
Es fehlt auch eine sichere Anbindung des teilweise sehr guten Radwegs entlang der Stuttgarter Straße an die Radroute 1. Eine unklare Radverkehrsführung und Engstellen führen zu gefährlichen Situationen besonders im frühmorgendlichen Berufsverkehr.

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